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00745 - Mäuseturm Bingen am Rhein - 1:87

00745 - Mäuseturm Bingen am Rhein - 1:87

  • Bestellnummer: 00745
  • Autor:
  • Schwierigkeitsgrad: 1
  • Selbstständige Einzelteile: 1
  • Anzahl Bogen:   2.5
  • Sprache: d
  • Massstab:   1 : 87
  • Länge 12 cm
  • Breite 07 cm
  • Höhe  31 cm

 
Mäuseturm Bingen am Rhein
 
Im weltberühmten Mittelrheintal steht auf einer kleinen Insel in der Nähe der Stadt Bingen ein einzelner Turm, der Mäuseturm. Hier hatten schon die Römer eine kleine Befestigungsanlage gebaut. Als die Stadt Bingen sich im 10. Jahrhundert dem Erzbistum Mainz unterordnen musste, wurde der Turm umgebaut und als Wachturm und Zollstelle eingesetzt. Im 13. Jahrhundert wurde der Turm in das Zollsystem der nahe gelegenen Burgen Klopp und Ehrenfels integriert. Von seiner Funktion leitet sich auch der Name des Turms ab: Das mittelhochdeutsche Wort „musen“ bedeutete „lauern“ oder „wachen“.       
Zweimal wurde der Turm zerstört: im Jahr 1632 durch die Schweden und im Jahr 1689 durch die Franzosen. Erst in den Jahren 1856 bis 1858 baute man ihn wieder auf. Der preußische König beauftragte den Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner, das Bauwerk im neugotischen Stil zu errichten und mit Eckwarten und Zinnenkranz auszustatten. Der Neubau des Turms diente seitdem als Grenzposten und als Signalturm für die Schifffahrt. Die gefährlichen Riffe in diesem Abschnitt des Rheins, dem „Binger Loch“, wurden im 19. Jahrhundert gesprengt, um die starken Stromschnellen zu mildern.      
 
Zahlreiche Sagen und Legenden ranken sich um den Mäuseturm. Eine davon erzählt von Bischof Hatto, der im 10. Jahrhundert die Herrschaft über Bingen übernahm und die Bevölkerung schikanierte. Als er während einer Hungersnot einen Aufstand befürchtete, ließ er die Bittsteller verhaften, sperrte sie in eine Scheune und steckte diese in Brand. Der Sage nach wurde er zur Strafe für diese schreckliche Tat von einer Mäuseplage heimgesucht, vor der er auf den Wachturm auf der kleinen Rheininsel floh. Die Mäuse folgten ihm angeblich auf den Turm und sollen ihn dort bei lebendigem Leib aufgefressen haben.      
Der Standort des Turms am früheren „Binger Loch“ war für viele Künstler interessant. Schon im 17. Jahrhundert entdeckten holländische Maler das Bauwerk als begehrtes Motiv. Damit ist der Mäuseturm eines der ältesten Rheinmotive in der Landschaftsmalerei. Die grausame Sage um Bischof Hatto wurde durch Schriftsteller wie Clemens Brentano, Victor Hugo oder Ferdinand Freiligrath auch Teil der europäischen Literatur.
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Modellbogen und Werkhefte
  • Natürlich hat Edwin Morf den Modellbogen nicht erfunden. Vorläufer davon gibt es seit Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Rokoko-Zeit hat der Dichterfürst Goethe »allerley artige Lusthäuser ... mit Pilastern, Freitreppen und Dächern« aus Papier ersonnen. Grosse Mode wurde der Modellbogen aber erst im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Erfindung der Lithographie. Damals kamen in deutschen und französischen Verlagen Tausende von Modellen auf den Markt; alles Erdenkliche wurde angeboten, Königspaläste, Tempelruinen, Opernhäuser, funktioniernde (!) Dampfmaschinen und Nähmaschinen, Unterseeboote und Eiffeltürme in allen Grössen. Neben hervorragenden Konstruktionen gab es auch viel eilig hergestellten, billigen und geschmacklosen Schund.
  • Die Modellbogen des von Edwin Morf ins Leben gerufenen nachmaligen Pädagogischen Verlages verstanden sich von Anfang an als Zeichen einer Reformbewegung und eines Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg. Die Modelle sollten qualitativ hochstehend, kindergerecht und lehrreich sein und schweizerischen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Von diesem pädagogischen, ja volkserzieherischen Impetus zeugt ein Rundschreiben Morfs aus Jahre 1933, aus dem folgende Passage zitiert sei:
  • »Wenn die Abende früher hereinbrechen, taucht für alle, die sich für das Wohl der Jugend verantwortlich fühlen, die wichtige Frage auf: Wie beschäftigen wir unsere Jungmannschaft, besonders das tatendurstige Bubenvolk, unterhaltend und nutzbringend? Die jungen Leute sollen lesen! höre ich sagen. Nur lesen? Nein, auch mit Hand und Werkzeug will und soll unsere Jugend tüchtig werden, soll Genauigkeit und Ausdauer üben und dies auf eine Weise, als ob's Spiel wäre. Unmerklich soll ihr die Freude an sauberer Arbeit aufgehen. Sie möchte gerne etwas Schönes entstehen sehen, das noch nach Jahren Zeuge ihres Fleisses, ihrer Ausdauer und Erfindungsgabe sei, darauf hat sie ein Recht.«
  • Über diesen Punkt herrscht heute weiterherum Einigkeit: wie alle »nützlichen« Freizeitbeschäftigungen ist das Modellbogenbasteln nicht nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sondern hat auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Geschult werden, ganz nach Edwin Morfs Ansicht, Ausdauer und Genauigkeit, im Einzelnen das Umsetzen einer komplizierten Anleitung, die Feinmotorik, das räumliche Sehen. Jedes Kind, das ein Modell nach einem Konstruktionsplan ohne böse Fehler nachbauen kann, hat eine beachtliche Leistung vollbracht und hat nachher auch ein greifbares, schönes Resultat in den Händen. Auf dieses darf es stolz sein; es ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das zu weiteren Taten anspornt. Und ganz nebenher erfährt es noch eine Menge Wissenswertes über das Objekt, das es soeben konstruiert hat, über dessen Geschichte, Bedeutung und Funktion.
  • Obwohl sich seit den Gründungsjahren des Verlages die Welt insgesamt und die Welt des Kindes im Besonderen dramatisch verändert hat, erfreut sich der Modellbogen ungebrochener Beliebtheit. Offensichtlich bietet das Basteln eines schönen Kartonmodells etwas, das weder Barbie-Puppen noch Videospiele, weder Elektronik-Baukästen noch Game-Boys bieten können. Die Verkaufsziffern sprechen hier eine deutliche Sprache.
    Der Modellbogen wird nicht aussterben; diese Prognose sei hier gewagt. Trotz Infotainment und dauernder Musikberieselung, trotz der Attraktivität von schnarrendem, piepsendem, umhersausendem Techno-Spielzeug aller Art: wenn's dann irgendwann für einmal still wird im Kinderzimmer, dann kommt er wieder auf den Tisch, der alte, geliebte Modellbogen, und dann herrscht wieder Ruhe, Konzentration, Aufmerksamkeit - und stille Freude über das gelungene Werk.
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