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505 - Berner Bauernhaus

505 - Berner Bauernhaus

  • Bestellnummer: 505
  • Autor: Heinrich Pfenninger
  • Schwierigkeitsgrad: ab 10 J.
  • Selbständige Einzelteile: 1
  • Sprache: d
  • Massstab: 1:90

Wer vom Bahnhof Brienz kommend den breiten Wanderweg einschlägt, der dem rechten Ufer des Brienzersees folgt, durchschreitet zuerst den Dorfteil von Brienz, der den Namen «Tracht» führt. In einem der allerersten Häuser «z'Tracht», linkerhand der grossen Strasse, wird er unser Modellbogenhaus wiedererkennen. Sein Baumeister hat es 1776 mit Bedacht genau gegen die Morgensonne gestellt, also von der Strasse rechtwinklig abgedreht. Wie hell müssen seine vielen Scheiblein einstmals allmorgendlich den Haslitaler Bergen zugeleuchtet haben ... bis - wer weiss, wieviele Jahre später - ein böser Zufall ihm eine neuere Baute dicht vor die Nase gesetzt hat. Schon seit Jahrzehnten schaut nun dieses schönste aller alten Brienzerhäuser etwas verstimmt in eine enge Gasse hinein. Es hat sich im Laufe der Zeit auch selber allerlei bauliche Erweiterungen und Umgestaltungen gefallen lassen müssen, so dass es gar nicht so einfach gewesen ist, seine vermutliche Urgestalt im Modell wiederzugeben.

Wie kostbar wirkt doch sein altersgraues Kleid! Mit wieviel Kunstsinn und Geschmack haben seine Bauleute das Balkenwerk einst geschmückt. Wollten sie damals schon beweisen, dass die Brienzer besonders geschickte Schnitzler seien? Ihre Kunst ist inzwischen allerdings weltberühmt geworden! Oder hat der Bauherr, er soll Fuchs geheissen haben, mit dem schmucken Bau seine Hablichkeit unterstreichen lassen?

Das Holzwerk dieser Baute sitzt auf einem mannshohen, gemauerten Untergeschoss. Wie oft mag dieses solide Fundament die wertvolle Holzbaute geschützt haben? Die Hänge längs des Brienzersees sind ausserordentlich steil; nach Wolkenbrüchen pflegen da Wasser mitunter in gewaltigen Schwällen von den Höhen zu stürzen! Dann wird die Uferstrasse dem See entlang nicht selten meterhoch mit Geschiebe überschüttet und eine Zeitlang unpassierbar. Wehe allen menschlichen Bauwerken, die in den Bereich einer solchen Rüfe kommen und keinen soliden Stand haben.

Das eigentliche hölzerne Haus, das auf dem getünchten, hellschimmernden Mauerwerk aufsitzt, ist ein Blockbau. Seine Wände bestehen aus waagrecht liegenden, aber hochkant gestellten Balken. Diese Balken überschneiden sich um ungefähr Handlänge an den Hausecken; sie sind, wie man sagt, «gewättet». Ein weiteres auffallendes Gwätt fällt aber auch senkrecht durch die Mitte der Vorderwand und verrät damit, dass es sich hier um ein sogenanntes Doppel- (Zweifamilien-)haus handelt. Jetzt erklärt es sich auch, wieso die Fensterreihen beidseitig dieser Trennlinie genau gleich angeordnet worden sind. Die vielen kleinen Scheiblein (zur Zeit der Baute war das Glas viel kostbarer als heute) sind längst grösseren «Lichtern» gewichen. Sie gaben aber dem Haus unzweifelhaft etwas ausserordentlich Heimeliges.

Einladend wirken auch die seitlichen gedeckten Lauben. Wo könnte man den Sonntagnachmittag geruhsamer verbringen als unter dem schirmenden Vordach auf dem Bänkli? Besonders dann, wenn auf dem Gesimse der «Loiba» (Laube) sattrote Geranien oder blasse Nelken blühen! Denken wir uns noch den nahen See dazu und die Berge, die zum Greifen nahe sind, dann werden wir glauben, dass Brienzer an ihrer Heimat derart hängen, dass es ihnen nirgendwo besser gefällt als am Fusse ihres Rothorns.

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Modellbogen und Werkhefte
  • Natürlich hat Edwin Morf den Modellbogen nicht erfunden. Vorläufer davon gibt es seit Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Rokoko-Zeit hat der Dichterfürst Goethe »allerley artige Lusthäuser ... mit Pilastern, Freitreppen und Dächern« aus Papier ersonnen. Grosse Mode wurde der Modellbogen aber erst im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Erfindung der Lithographie. Damals kamen in deutschen und französischen Verlagen Tausende von Modellen auf den Markt; alles Erdenkliche wurde angeboten, Königspaläste, Tempelruinen, Opernhäuser, funktioniernde (!) Dampfmaschinen und Nähmaschinen, Unterseeboote und Eiffeltürme in allen Grössen. Neben hervorragenden Konstruktionen gab es auch viel eilig hergestellten, billigen und geschmacklosen Schund.
  • Die Modellbogen des von Edwin Morf ins Leben gerufenen nachmaligen Pädagogischen Verlages verstanden sich von Anfang an als Zeichen einer Reformbewegung und eines Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg. Die Modelle sollten qualitativ hochstehend, kindergerecht und lehrreich sein und schweizerischen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Von diesem pädagogischen, ja volkserzieherischen Impetus zeugt ein Rundschreiben Morfs aus Jahre 1933, aus dem folgende Passage zitiert sei:
  • »Wenn die Abende früher hereinbrechen, taucht für alle, die sich für das Wohl der Jugend verantwortlich fühlen, die wichtige Frage auf: Wie beschäftigen wir unsere Jungmannschaft, besonders das tatendurstige Bubenvolk, unterhaltend und nutzbringend? Die jungen Leute sollen lesen! höre ich sagen. Nur lesen? Nein, auch mit Hand und Werkzeug will und soll unsere Jugend tüchtig werden, soll Genauigkeit und Ausdauer üben und dies auf eine Weise, als ob's Spiel wäre. Unmerklich soll ihr die Freude an sauberer Arbeit aufgehen. Sie möchte gerne etwas Schönes entstehen sehen, das noch nach Jahren Zeuge ihres Fleisses, ihrer Ausdauer und Erfindungsgabe sei, darauf hat sie ein Recht.«
  • Über diesen Punkt herrscht heute weiterherum Einigkeit: wie alle »nützlichen« Freizeitbeschäftigungen ist das Modellbogenbasteln nicht nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sondern hat auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Geschult werden, ganz nach Edwin Morfs Ansicht, Ausdauer und Genauigkeit, im Einzelnen das Umsetzen einer komplizierten Anleitung, die Feinmotorik, das räumliche Sehen. Jedes Kind, das ein Modell nach einem Konstruktionsplan ohne böse Fehler nachbauen kann, hat eine beachtliche Leistung vollbracht und hat nachher auch ein greifbares, schönes Resultat in den Händen. Auf dieses darf es stolz sein; es ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das zu weiteren Taten anspornt. Und ganz nebenher erfährt es noch eine Menge Wissenswertes über das Objekt, das es soeben konstruiert hat, über dessen Geschichte, Bedeutung und Funktion.
  • Obwohl sich seit den Gründungsjahren des Verlages die Welt insgesamt und die Welt des Kindes im Besonderen dramatisch verändert hat, erfreut sich der Modellbogen ungebrochener Beliebtheit. Offensichtlich bietet das Basteln eines schönen Kartonmodells etwas, das weder Barbie-Puppen noch Videospiele, weder Elektronik-Baukästen noch Game-Boys bieten können. Die Verkaufsziffern sprechen hier eine deutliche Sprache.
    Der Modellbogen wird nicht aussterben; diese Prognose sei hier gewagt. Trotz Infotainment und dauernder Musikberieselung, trotz der Attraktivität von schnarrendem, piepsendem, umhersausendem Techno-Spielzeug aller Art: wenn's dann irgendwann für einmal still wird im Kinderzimmer, dann kommt er wieder auf den Tisch, der alte, geliebte Modellbogen, und dann herrscht wieder Ruhe, Konzentration, Aufmerksamkeit - und stille Freude über das gelungene Werk.
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