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504 - Appenzellerhaus

504 - Appenzellerhaus

  • Bestellnummer: 504
  • Autor: Heinrich Pfenninger
  • Schwierigkeitsgrad: ab 10 J.
  • Selbständige Einzelteile: 6
  • Sprache: d
  • Massstab: 1:80

Ein währschaftes Bauernhaus liegt vor dir! Es stammt aus der Nordostecke unseres Landes. Dort liegt am Fusse der Säntisgruppe das hügelige Appenzellerland. Wie hingestreut auf die grünen Wiesen scheinen dem Wanderer die braunen Häuser. Das ist nämlich eine der Eigentümlichkeiten der appenzellischen Wohnweise: Fast jedes Bauernhaus steht allein für sich. Der Bauer wohnt gleichsam mitten in seinem Eigentum. Sein «Hämetli» (kleine Heimat) beginnt draussen bei den äussersten Zäunen und gipfelt im schmucken Bauernhaus. Der Besitzer darf darauf tatsächlich stolz sein; denn es ist eine Art Schmuckkästchen für sich.

Die Vorderseite des Gebäudes ist reich gegliedert. Die Fenster blinken in langen Zeilen zu Gruppen angeordnet und werden von mächtigen Täferplatten unterbrochen. Hinter solchen verbergen sich auch die Zugladen, mit denen nötigenfalls die ganzen Fensteröffnungen abgeschlossen werden können. Beachte, wie die Zwischenwände des Hauses sich teilweise an der Hausfront abzeichnen. Das Wohnhaus ruht auf einem steinernen Unterbau. In diesem treffen wir (beachte die niederen, langgezogenen Fenster!) den Webkeller. Hier wurde bei kargem Lohn einst von jung und alt der feine Leinenstoff gewoben, in den kunstgeübte Appenzellerinnen-Hände die vielbegehrten Stickereien stichelten.

Das Appenzellerland ist niederschlagsreich. Viel Regen und Schnee zwingt zu besonderer Bauweise. Aus diesem Grunde hat der Appenzeller z. B. die grosse Scheune ganz ans Wohnhaus herangezogen. Der Stall steht rechtwinklig zum Hause, berührt dieses also nur mit einer Schmalseite. Der Besitzer kann jederzeit «unter Dach» von einem zum andern Teil gelangen. Vor der Wetterseite der Scheune stehen meist einige Eschen als deren Schutz. Neben dem Doppeltor dagegen sonnt sich ein Fruchtbäumchen (Trüeter). Auf der Rückseite trifft man überdies häufig einen «Holderbaum» (Holunder), dessen weisse Blütendolden wirkungsvoll vom silbergrauen Schindelgewände abstechen.

Unser Gebäude ist für zwei Familien bestimmt. Jede hat einen Wohnteil mit gesondertem Zugang und eigener Treppe. Dagegen besitzt dieses Haus nur eine einzige Küche, die von beiden Familien gemeinsam benutzt wird und von der aus man die Öfen beider Stuben heizen kann.

Das blitzsaubere und oft sorgfältig bemalte Appenzellerhaus hat bei allen Kantonsnachbarn ringsum viel Beifall und manchen Nacheiferer gefunden. Wir treffen heute gleiche Bauten im nachbarlichen St.Gallergebiet, im Rheintal, im Toggenburg, ja sogar im Kanton Zürich östlich der Töss (bei Wila, Steg und Sternenberg).

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Modellbogen und Werkhefte
  • Natürlich hat Edwin Morf den Modellbogen nicht erfunden. Vorläufer davon gibt es seit Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Rokoko-Zeit hat der Dichterfürst Goethe »allerley artige Lusthäuser ... mit Pilastern, Freitreppen und Dächern« aus Papier ersonnen. Grosse Mode wurde der Modellbogen aber erst im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Erfindung der Lithographie. Damals kamen in deutschen und französischen Verlagen Tausende von Modellen auf den Markt; alles Erdenkliche wurde angeboten, Königspaläste, Tempelruinen, Opernhäuser, funktioniernde (!) Dampfmaschinen und Nähmaschinen, Unterseeboote und Eiffeltürme in allen Grössen. Neben hervorragenden Konstruktionen gab es auch viel eilig hergestellten, billigen und geschmacklosen Schund.
  • Die Modellbogen des von Edwin Morf ins Leben gerufenen nachmaligen Pädagogischen Verlages verstanden sich von Anfang an als Zeichen einer Reformbewegung und eines Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg. Die Modelle sollten qualitativ hochstehend, kindergerecht und lehrreich sein und schweizerischen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Von diesem pädagogischen, ja volkserzieherischen Impetus zeugt ein Rundschreiben Morfs aus Jahre 1933, aus dem folgende Passage zitiert sei:
  • »Wenn die Abende früher hereinbrechen, taucht für alle, die sich für das Wohl der Jugend verantwortlich fühlen, die wichtige Frage auf: Wie beschäftigen wir unsere Jungmannschaft, besonders das tatendurstige Bubenvolk, unterhaltend und nutzbringend? Die jungen Leute sollen lesen! höre ich sagen. Nur lesen? Nein, auch mit Hand und Werkzeug will und soll unsere Jugend tüchtig werden, soll Genauigkeit und Ausdauer üben und dies auf eine Weise, als ob's Spiel wäre. Unmerklich soll ihr die Freude an sauberer Arbeit aufgehen. Sie möchte gerne etwas Schönes entstehen sehen, das noch nach Jahren Zeuge ihres Fleisses, ihrer Ausdauer und Erfindungsgabe sei, darauf hat sie ein Recht.«
  • Über diesen Punkt herrscht heute weiterherum Einigkeit: wie alle »nützlichen« Freizeitbeschäftigungen ist das Modellbogenbasteln nicht nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sondern hat auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Geschult werden, ganz nach Edwin Morfs Ansicht, Ausdauer und Genauigkeit, im Einzelnen das Umsetzen einer komplizierten Anleitung, die Feinmotorik, das räumliche Sehen. Jedes Kind, das ein Modell nach einem Konstruktionsplan ohne böse Fehler nachbauen kann, hat eine beachtliche Leistung vollbracht und hat nachher auch ein greifbares, schönes Resultat in den Händen. Auf dieses darf es stolz sein; es ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das zu weiteren Taten anspornt. Und ganz nebenher erfährt es noch eine Menge Wissenswertes über das Objekt, das es soeben konstruiert hat, über dessen Geschichte, Bedeutung und Funktion.
  • Obwohl sich seit den Gründungsjahren des Verlages die Welt insgesamt und die Welt des Kindes im Besonderen dramatisch verändert hat, erfreut sich der Modellbogen ungebrochener Beliebtheit. Offensichtlich bietet das Basteln eines schönen Kartonmodells etwas, das weder Barbie-Puppen noch Videospiele, weder Elektronik-Baukästen noch Game-Boys bieten können. Die Verkaufsziffern sprechen hier eine deutliche Sprache.
    Der Modellbogen wird nicht aussterben; diese Prognose sei hier gewagt. Trotz Infotainment und dauernder Musikberieselung, trotz der Attraktivität von schnarrendem, piepsendem, umhersausendem Techno-Spielzeug aller Art: wenn's dann irgendwann für einmal still wird im Kinderzimmer, dann kommt er wieder auf den Tisch, der alte, geliebte Modellbogen, und dann herrscht wieder Ruhe, Konzentration, Aufmerksamkeit - und stille Freude über das gelungene Werk.
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