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503 - Bündner Bauernhaus

503 - Bündner Bauernhaus

  • Bestellnummer: 503
  • Autor: Heinrich Pfenninger
  • Schwierigkeitsgrad: ab 10 J.
  • Selbständige Einzelteile: 2
  • Sprache: d
  • Massstab: 1:80

Im Unterengadin, dem herrlichen Bündner Bergtal, liegt bekanntlich der Nationalpark, das mächtige Tier- und Pflanzenreservat unseres Landes. Im Unterengadin finden wir aber auch eine reiche Zahl von Gebäuden, die nicht minder unsern Schutz und unsere Bewunderung verdienen.

Dieses Bauernhaus aus Guarda zum Beispiel wurde durch die Eidgenossenschaft zum historischen Kunstdenkmal erklärt, und sie hat darum auch beigetragen, dass es wieder in guten Zustand versetzt werden konnte. Mitten auf seiner Stirn trägt es die Jahrzahl 1717. Im Innern sollen sogar noch ältere Bauteile nachweisbar sein. Staunt man nicht über die Stattlichkeit eines solchen Bauernhauses? Wie einladend dünkt uns das vielteilige grosse Tor mit seinem Rundbogen und der Zufahrtsrampe davor. Vor Jahrzehnten, als dieses Haus als Sust und Herberge diente, mögen die Kaufherren, die vom Tirol durchs Engadin nach Italien oder durch Rätien in Richtung Eidgenossenschaft reisten, gerne hier eingekehrt sein.

Das Haustor ist aber nicht etwa deswegen hier besonders weit; gleich mächtige Zufahrten weisen fast alle Bauernhäuser der Gegend auf. Mit einer nicht allzu hohen Fuhre kann man direkt in die mächtige Halle (Sulèr) hineinfahren und durch ein zweites inneres Tor mit dem niedern Wagen, auf dem wohlriechende Bergheubündel liegen, auf die Heubühne rollen. Um die Halle, die als Remise dient, liegen die Wohnräume und die Küche, einen Stock höher (wieder um eine Halle herum) die Schlaf- und Vorratskammern.

Nun gehen wir aber auch noch ins Untergeschoss und zwar von aussen her über eine abwärtsführende Rampe durch ein kleineres, tiefliegendes Tor. Wir gelangen zum «Cuort» (überdeckter Hof), der als Zugang zu Stall und Keller dient. Wohnt der Mittellandbauer neben seinem Vieh, dann der Engadiner über seinem Vieh. Ist es nicht vielleicht so, dass dann, wenn die dicken Umfassungsmauern den harten Bergwinter mit seiner strengen Kälte abhalten, das Vieh den oberen Wohnteilen des Hauses von seiner Wärme abgibt?

Alle vier Aussenwände unseres Hauses sind reich geschmückt. Kunstgeübte Handwerker haben einst prächtige Ornamente in den nassen Weissputz gekratzt, so tief, dass der graue Grund als Zeichnung zum Vorschein kam. Man nennt dies Sgraffito-Arbeit. Welch glücklicher Zufall, dass sich just droben in Guarda ein kunstfertiger Fachmann gefunden hat, der die Baute 200 Jahre nach ihrem Werden wieder so gediegen zu renovieren verstand, dass man glauben könnte, die lange Zeit sei an diesem Bauwerk spurlos vorüber gegangen. Dem Erneuerer, Herrn Architekt J. U. Köntz in Guarda, verdanken auch wir Pläne und Ratschläge, die wesentlich zum Gelingen dieses Modellbogens beigetragen haben.

Dass unser Haus einst nach böser Kriegszeit (nach dem 30jährigen Krieg) wiedererstand, verrät uns wohl ein Hausspruch, der aus altem Romanisch übersetzt lautet: In diesem Haus sei Frieden, wenn ihn Gott gibt und immer belässt. Von allem, was man wissen kann, ist Friede das Beste, was man haben kann.

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Modellbogen und Werkhefte
  • Natürlich hat Edwin Morf den Modellbogen nicht erfunden. Vorläufer davon gibt es seit Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Rokoko-Zeit hat der Dichterfürst Goethe »allerley artige Lusthäuser ... mit Pilastern, Freitreppen und Dächern« aus Papier ersonnen. Grosse Mode wurde der Modellbogen aber erst im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Erfindung der Lithographie. Damals kamen in deutschen und französischen Verlagen Tausende von Modellen auf den Markt; alles Erdenkliche wurde angeboten, Königspaläste, Tempelruinen, Opernhäuser, funktioniernde (!) Dampfmaschinen und Nähmaschinen, Unterseeboote und Eiffeltürme in allen Grössen. Neben hervorragenden Konstruktionen gab es auch viel eilig hergestellten, billigen und geschmacklosen Schund.
  • Die Modellbogen des von Edwin Morf ins Leben gerufenen nachmaligen Pädagogischen Verlages verstanden sich von Anfang an als Zeichen einer Reformbewegung und eines Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg. Die Modelle sollten qualitativ hochstehend, kindergerecht und lehrreich sein und schweizerischen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Von diesem pädagogischen, ja volkserzieherischen Impetus zeugt ein Rundschreiben Morfs aus Jahre 1933, aus dem folgende Passage zitiert sei:
  • »Wenn die Abende früher hereinbrechen, taucht für alle, die sich für das Wohl der Jugend verantwortlich fühlen, die wichtige Frage auf: Wie beschäftigen wir unsere Jungmannschaft, besonders das tatendurstige Bubenvolk, unterhaltend und nutzbringend? Die jungen Leute sollen lesen! höre ich sagen. Nur lesen? Nein, auch mit Hand und Werkzeug will und soll unsere Jugend tüchtig werden, soll Genauigkeit und Ausdauer üben und dies auf eine Weise, als ob's Spiel wäre. Unmerklich soll ihr die Freude an sauberer Arbeit aufgehen. Sie möchte gerne etwas Schönes entstehen sehen, das noch nach Jahren Zeuge ihres Fleisses, ihrer Ausdauer und Erfindungsgabe sei, darauf hat sie ein Recht.«
  • Über diesen Punkt herrscht heute weiterherum Einigkeit: wie alle »nützlichen« Freizeitbeschäftigungen ist das Modellbogenbasteln nicht nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sondern hat auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Geschult werden, ganz nach Edwin Morfs Ansicht, Ausdauer und Genauigkeit, im Einzelnen das Umsetzen einer komplizierten Anleitung, die Feinmotorik, das räumliche Sehen. Jedes Kind, das ein Modell nach einem Konstruktionsplan ohne böse Fehler nachbauen kann, hat eine beachtliche Leistung vollbracht und hat nachher auch ein greifbares, schönes Resultat in den Händen. Auf dieses darf es stolz sein; es ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das zu weiteren Taten anspornt. Und ganz nebenher erfährt es noch eine Menge Wissenswertes über das Objekt, das es soeben konstruiert hat, über dessen Geschichte, Bedeutung und Funktion.
  • Obwohl sich seit den Gründungsjahren des Verlages die Welt insgesamt und die Welt des Kindes im Besonderen dramatisch verändert hat, erfreut sich der Modellbogen ungebrochener Beliebtheit. Offensichtlich bietet das Basteln eines schönen Kartonmodells etwas, das weder Barbie-Puppen noch Videospiele, weder Elektronik-Baukästen noch Game-Boys bieten können. Die Verkaufsziffern sprechen hier eine deutliche Sprache.
    Der Modellbogen wird nicht aussterben; diese Prognose sei hier gewagt. Trotz Infotainment und dauernder Musikberieselung, trotz der Attraktivität von schnarrendem, piepsendem, umhersausendem Techno-Spielzeug aller Art: wenn's dann irgendwann für einmal still wird im Kinderzimmer, dann kommt er wieder auf den Tisch, der alte, geliebte Modellbogen, und dann herrscht wieder Ruhe, Konzentration, Aufmerksamkeit - und stille Freude über das gelungene Werk.
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