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203 - Weihnachtskrippe

203 - Weihnachtskrippe

  • Bestellnummer: 203
  • Autor: Heinrich Pfenninger
  • Schwierigkeitsgrad: ab 6 J.
  • Selbständige Einzelteile: 13
  • Sprache: d
  • Massstab:

Die Weihnachtszeit naht. Alle Kinder lesen die schöne Weihnachtsgeschichte: Ein Engel hat den Himmel verlassen. Er schwebt leise zu den Menschen herab auf die Erde. Sie sollen sich freuen. Was weiss er denn Schönes? Ein Kindlein ist zur Welt gekommen. Das Jesuskindlein, unser Christkind!

Jetzt liegt es als zartes Knäblein in einer Wiege. Nicht in einer warmen Stube, nein, draussen in einem dunkeln Stall. Keine Angst! Seine Mutter Maria kniet bei ihm und betet. Sein Vater Joseph steht neben ihm, hält eine Laterne in der Hand und freut sich. Die Eltern sind weit hergereist nach Bethlehem und haben hier lange umsonst nach einer Unterkunft gesucht. Zuletzt wies man sie in diesen niedern Stall. Hier ist das Jesusknäblein zur Welt gekommen. Es lächelt. Es wird seinen Eltern, es wird allen Menschen viel Glück bringen!

Hoch über dem verlotterten Stall aber glänzt ein leuchtender Stern. Hirten auf dem Felde haben den neuen Stern gesehen. Sie wundern sich darüber. Der Engel kommt zu ihnen. Er bringt ihnen die grosse Botschaft: Christ ist auf die Welt gekommen! Nun will keiner zurückbleiben. Hirten und Schafe folgen dem Stern. Er weist ihnen in der Nacht den Weg. Die Graubärte wollen das Jesuskindlein sehen. Sie nähern sich dem kleinen Stall. Ein Lichtschimmer dringt aus den Bretterspalten hervor. Jetzt stehen sie vor der Krippe. Die alten Männer fallen in die Knie. Ja, der Heiland ist zur Welt gekommen! Ein Junge schenkt dem Weihnachtskind ein Schäfchen. Es ist sein liebstes gewesen.

Drei Könige im fernen Morgenland haben am nächtlichen Himmel den neuen Stern auch entdeckt. Sie raten. Was mag er bedeuten? Gewiss ist ein neuer König zur Welt gekommen! Auf, lasst uns ihn suchen! Ohne Säumen brechen sie auf. Was tragen die Fürsten bei sich? Köstliche Gaben. Die wollen sie dem neuen König zu Füssen legen. Sie werden ihn dort finden, wo ihn bereits unsere Hirten gefunden haben. Im niedern Stall zu Bethlehem. Sie werden staunend vor der kleinen Krippe stehen, das Jesuskindlein anbeten und ihm ihre Geschenke darbieten.

Welche Freude! Unser Modellbogen schenkt dir alle Figuren, die in der Weihnachtsgeschichte vorkommen. Der Stall von Bethlehem lässt sich aufbauen. Die kleine Krippe kann man zusammenfügen. Maria und Josef, die Hirten und die drei Könige aus dem Morgenlande werden sich nacheinander um das Kripplein scharen.

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Modellbogen und Werkhefte
  • Natürlich hat Edwin Morf den Modellbogen nicht erfunden. Vorläufer davon gibt es seit Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Rokoko-Zeit hat der Dichterfürst Goethe »allerley artige Lusthäuser ... mit Pilastern, Freitreppen und Dächern« aus Papier ersonnen. Grosse Mode wurde der Modellbogen aber erst im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Erfindung der Lithographie. Damals kamen in deutschen und französischen Verlagen Tausende von Modellen auf den Markt; alles Erdenkliche wurde angeboten, Königspaläste, Tempelruinen, Opernhäuser, funktioniernde (!) Dampfmaschinen und Nähmaschinen, Unterseeboote und Eiffeltürme in allen Grössen. Neben hervorragenden Konstruktionen gab es auch viel eilig hergestellten, billigen und geschmacklosen Schund.
  • Die Modellbogen des von Edwin Morf ins Leben gerufenen nachmaligen Pädagogischen Verlages verstanden sich von Anfang an als Zeichen einer Reformbewegung und eines Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg. Die Modelle sollten qualitativ hochstehend, kindergerecht und lehrreich sein und schweizerischen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Von diesem pädagogischen, ja volkserzieherischen Impetus zeugt ein Rundschreiben Morfs aus Jahre 1933, aus dem folgende Passage zitiert sei:
  • »Wenn die Abende früher hereinbrechen, taucht für alle, die sich für das Wohl der Jugend verantwortlich fühlen, die wichtige Frage auf: Wie beschäftigen wir unsere Jungmannschaft, besonders das tatendurstige Bubenvolk, unterhaltend und nutzbringend? Die jungen Leute sollen lesen! höre ich sagen. Nur lesen? Nein, auch mit Hand und Werkzeug will und soll unsere Jugend tüchtig werden, soll Genauigkeit und Ausdauer üben und dies auf eine Weise, als ob's Spiel wäre. Unmerklich soll ihr die Freude an sauberer Arbeit aufgehen. Sie möchte gerne etwas Schönes entstehen sehen, das noch nach Jahren Zeuge ihres Fleisses, ihrer Ausdauer und Erfindungsgabe sei, darauf hat sie ein Recht.«
  • Über diesen Punkt herrscht heute weiterherum Einigkeit: wie alle »nützlichen« Freizeitbeschäftigungen ist das Modellbogenbasteln nicht nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sondern hat auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Geschult werden, ganz nach Edwin Morfs Ansicht, Ausdauer und Genauigkeit, im Einzelnen das Umsetzen einer komplizierten Anleitung, die Feinmotorik, das räumliche Sehen. Jedes Kind, das ein Modell nach einem Konstruktionsplan ohne böse Fehler nachbauen kann, hat eine beachtliche Leistung vollbracht und hat nachher auch ein greifbares, schönes Resultat in den Händen. Auf dieses darf es stolz sein; es ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das zu weiteren Taten anspornt. Und ganz nebenher erfährt es noch eine Menge Wissenswertes über das Objekt, das es soeben konstruiert hat, über dessen Geschichte, Bedeutung und Funktion.
  • Obwohl sich seit den Gründungsjahren des Verlages die Welt insgesamt und die Welt des Kindes im Besonderen dramatisch verändert hat, erfreut sich der Modellbogen ungebrochener Beliebtheit. Offensichtlich bietet das Basteln eines schönen Kartonmodells etwas, das weder Barbie-Puppen noch Videospiele, weder Elektronik-Baukästen noch Game-Boys bieten können. Die Verkaufsziffern sprechen hier eine deutliche Sprache.
    Der Modellbogen wird nicht aussterben; diese Prognose sei hier gewagt. Trotz Infotainment und dauernder Musikberieselung, trotz der Attraktivität von schnarrendem, piepsendem, umhersausendem Techno-Spielzeug aller Art: wenn's dann irgendwann für einmal still wird im Kinderzimmer, dann kommt er wieder auf den Tisch, der alte, geliebte Modellbogen, und dann herrscht wieder Ruhe, Konzentration, Aufmerksamkeit - und stille Freude über das gelungene Werk.
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