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3454 - Zwei bärtige Hampelmänner

3454 - Zwei bärtige Hampelmänner

  • Bestellnummer: M3454
  • Autor: Neuruppin um 1923
  • Schwierigkeitsgrad:  1
  • Selbständige Einzelteile: 1
  • Anzahl Bogen: 1
  • Größe:  33.8 x 41.8 cm 
  • Sprache: d
  • Massstab:
 

Zwei bärtige Hampelmänner

 

Feder-Kreide-Lithographie schablonenkoloriert

l Bogen 32,4 x 40 cm

Robrahn & Co. Lithographisches Institut, Kunst- und Papierhandlung, Bilderbücher- und Bilderbogenfabrik,

Magdeburg um 1875

Aus der Sammlung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek, Leipzig (S 1990/051)

Eduard Robrahn (* 1793) übernahm 1823 die Steindruckerei Friedrich Cuny. Ab 1833 nannte er die Firma Robrahn & Comp. Lithograph. Institut, Kunst- und Papierhandlung. 1856 wurde sein Sohn Rudolph Firmeninhaber. Er begann mit der Produktion von Kinderbilderbogen nach Neuruppiner Vorbild. Seit 1901 war es dessen Sohn Rudolph jun. (1865-1917). 1918 führte der einstige Teilhaber Eugen Hauch das Geschäft als GmbH weiter. Ab 1921 hieß der Inhaber Eduard Barth (Schwiegersohn von Rudolf Robrahn jun.). Die Firma erlosch 1928.

Ziehfiguren, Hampelmänner oder Pantins aus Pappe wurden um 1750 in Paris erfunden. Es waren zunächst kleine als Einzelstücke auf Karton gemalte Figuren, welche durch Fäden, die man zieht, allerlei Verrenkungen ausführen. Bald darauf erschienen Kupferstiche mit Rokokopantins zum Ausschneiden. Die Erfindung des lithographischen Drucks förderte die Verbreitung der Hampelmänner. Führend waren bis Mitte des 19. Jahrhunderts die französischen Bilderbogen-Verleger. In Deutschland tauchten die Ziehfiguren erst nach 1860 in größerer Zahl auf. Die Gestaltungsmöglichkeiten der Figuren ist sind vielfältig und reichen von lustigen Gestalten bis zu Weih­nachtsmännern, Nikoläusen, Politikern und Feindfiguren. Die Teile der Ziehfiguren - Rumpf, Arme, Beine - sind auf den Bogen jeweils dekorativ angeordnet. Die Löcher zum beweglichen Zusammenfügen der Teile und zum Anbringen des Schnurzuges sind mit schwarzen Punkten markiert.

Schon sehr früh bot sich das willkürlichem Fadenzug gehorchende Spielzeug zur politischen Karikatur oder Verspottung von missliebigen Zeitgenossen an. Denn, was ist lächerlicher als ein dem Fadenzug gehorchender Hampelmann?

Der Bogen zeigt zwei damals nach neuster Mode gekleidete Herren, wohl Besucher eines Pferderennens. Beim Ziehen des Fadens treiben sie wild gestikulierend ihren Favoriten zum Sieg an.

Dieter Nievergelt

 

Reprint herausgegeben vom Arbeitskreis Geschichte des Kartonmodellbaus (AGK)

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Modellbogen und Werkhefte
  • Natürlich hat Edwin Morf den Modellbogen nicht erfunden. Vorläufer davon gibt es seit Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Rokoko-Zeit hat der Dichterfürst Goethe »allerley artige Lusthäuser ... mit Pilastern, Freitreppen und Dächern« aus Papier ersonnen. Grosse Mode wurde der Modellbogen aber erst im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Erfindung der Lithographie. Damals kamen in deutschen und französischen Verlagen Tausende von Modellen auf den Markt; alles Erdenkliche wurde angeboten, Königspaläste, Tempelruinen, Opernhäuser, funktioniernde (!) Dampfmaschinen und Nähmaschinen, Unterseeboote und Eiffeltürme in allen Grössen. Neben hervorragenden Konstruktionen gab es auch viel eilig hergestellten, billigen und geschmacklosen Schund.
  • Die Modellbogen des von Edwin Morf ins Leben gerufenen nachmaligen Pädagogischen Verlages verstanden sich von Anfang an als Zeichen einer Reformbewegung und eines Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg. Die Modelle sollten qualitativ hochstehend, kindergerecht und lehrreich sein und schweizerischen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Von diesem pädagogischen, ja volkserzieherischen Impetus zeugt ein Rundschreiben Morfs aus Jahre 1933, aus dem folgende Passage zitiert sei:
  • »Wenn die Abende früher hereinbrechen, taucht für alle, die sich für das Wohl der Jugend verantwortlich fühlen, die wichtige Frage auf: Wie beschäftigen wir unsere Jungmannschaft, besonders das tatendurstige Bubenvolk, unterhaltend und nutzbringend? Die jungen Leute sollen lesen! höre ich sagen. Nur lesen? Nein, auch mit Hand und Werkzeug will und soll unsere Jugend tüchtig werden, soll Genauigkeit und Ausdauer üben und dies auf eine Weise, als ob's Spiel wäre. Unmerklich soll ihr die Freude an sauberer Arbeit aufgehen. Sie möchte gerne etwas Schönes entstehen sehen, das noch nach Jahren Zeuge ihres Fleisses, ihrer Ausdauer und Erfindungsgabe sei, darauf hat sie ein Recht.«
  • Über diesen Punkt herrscht heute weiterherum Einigkeit: wie alle »nützlichen« Freizeitbeschäftigungen ist das Modellbogenbasteln nicht nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sondern hat auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Geschult werden, ganz nach Edwin Morfs Ansicht, Ausdauer und Genauigkeit, im Einzelnen das Umsetzen einer komplizierten Anleitung, die Feinmotorik, das räumliche Sehen. Jedes Kind, das ein Modell nach einem Konstruktionsplan ohne böse Fehler nachbauen kann, hat eine beachtliche Leistung vollbracht und hat nachher auch ein greifbares, schönes Resultat in den Händen. Auf dieses darf es stolz sein; es ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das zu weiteren Taten anspornt. Und ganz nebenher erfährt es noch eine Menge Wissenswertes über das Objekt, das es soeben konstruiert hat, über dessen Geschichte, Bedeutung und Funktion.
  • Obwohl sich seit den Gründungsjahren des Verlages die Welt insgesamt und die Welt des Kindes im Besonderen dramatisch verändert hat, erfreut sich der Modellbogen ungebrochener Beliebtheit. Offensichtlich bietet das Basteln eines schönen Kartonmodells etwas, das weder Barbie-Puppen noch Videospiele, weder Elektronik-Baukästen noch Game-Boys bieten können. Die Verkaufsziffern sprechen hier eine deutliche Sprache.
    Der Modellbogen wird nicht aussterben; diese Prognose sei hier gewagt. Trotz Infotainment und dauernder Musikberieselung, trotz der Attraktivität von schnarrendem, piepsendem, umhersausendem Techno-Spielzeug aller Art: wenn's dann irgendwann für einmal still wird im Kinderzimmer, dann kommt er wieder auf den Tisch, der alte, geliebte Modellbogen, und dann herrscht wieder Ruhe, Konzentration, Aufmerksamkeit - und stille Freude über das gelungene Werk.
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