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104 - Dornröschen

104 - Dornröschen

  • Bestellnummer: 104
  • Autor: Heinrich Pfenninger
  • Schwierigkeitsgrad: ab 6 J.
  • Selbständige Einzelteile: 21
  • Sprache: d
  • Massstab:

Wir schauen in einen Königshof. Unter dem Zeltdach vor dem Schloss sitzen der König und die Königin. Um sie herum stehen die Dienstleute. Aber zuvorderst sitzt ja eine grosse, grüne Kröte! Sie weiss ein wichtiges Geheimnis: Bald werde ein Königstöchterchen geboren! Alle freuen sich. Nach einigen Monaten kommt das Kind zur Welt. Dornröschen ist sein Name. Es liegt in einer schönen Wiege.

Man feiert ein grosses Fest. Viele weise Frauen sind dazu eingeladen. Sie stehen um die kleine Wiege und bringen dem Kind ihre guten Wünsche dar. Elf Frauen hoffen, dass das Kind brav, schön und reich werde. Da schleicht sich eine böse Frau heran. Niemand hat sie eingeladen. Sie wünscht Dornröschen, dass es früh sterben werde. Es solle sich an einer Spindel stechen und tot hinfallen. Doch da tritt die letzte weise Frau dazwischen. Nein, Dornröschen wird dann nicht sterben, sagt sie. Es wird nur in einen langen, langen Schlaf fallen. Die Leute am Königshof gehen traurig auseinander. Nun lässt der König im ganzen Lande alle Spindeln verbrennen. Sie müssen verschwinden. Doch oben im Schloss wohnt unbemerkt eine alte Frau. Sie spinnt in ihrem Turmstübchen ruhig weiter und weiss von allem nichts. Jahre gehen vorbei. Fünfzehn Jahre später ist aus dem Königskind eine junge Frau geworden.

Dornröschen steigt eines Tages in diesen Turm. Es tritt ins Stübchen der alten Frau. Hier sieht es die Spindel und nimmt sie zur Hand. Dabei sticht sich Dornröschen. Schon sinkt es aufs nächste Bett und fällt in seinen langen Schlaf. Alles im Schloss schläft mit: die Dienstleute, der Koch mit seinem Küchenjungen, ja selbst die Tiere und das Feuer im Herd. Um das Schloss wächst eine Dornenhecke. Sie wird immer höher und dichter. Viele Jahre gehen vorüber.

Eines Tages nähert sich ein junger, schöner Königssohn dem schlafenden Schloss. Jetzt steht er vor der mächtigen Dornenhecke. Er hat gehört, wer hinter ihr alles schläft. Er will Dornröschen erlösen. Vor ihm weicht die Hecke auseinander. Der Königssohn darf ins sc

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Modellbogen und Werkhefte
  • Natürlich hat Edwin Morf den Modellbogen nicht erfunden. Vorläufer davon gibt es seit Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Rokoko-Zeit hat der Dichterfürst Goethe »allerley artige Lusthäuser ... mit Pilastern, Freitreppen und Dächern« aus Papier ersonnen. Grosse Mode wurde der Modellbogen aber erst im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Erfindung der Lithographie. Damals kamen in deutschen und französischen Verlagen Tausende von Modellen auf den Markt; alles Erdenkliche wurde angeboten, Königspaläste, Tempelruinen, Opernhäuser, funktioniernde (!) Dampfmaschinen und Nähmaschinen, Unterseeboote und Eiffeltürme in allen Grössen. Neben hervorragenden Konstruktionen gab es auch viel eilig hergestellten, billigen und geschmacklosen Schund.
  • Die Modellbogen des von Edwin Morf ins Leben gerufenen nachmaligen Pädagogischen Verlages verstanden sich von Anfang an als Zeichen einer Reformbewegung und eines Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg. Die Modelle sollten qualitativ hochstehend, kindergerecht und lehrreich sein und schweizerischen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Von diesem pädagogischen, ja volkserzieherischen Impetus zeugt ein Rundschreiben Morfs aus Jahre 1933, aus dem folgende Passage zitiert sei:
  • »Wenn die Abende früher hereinbrechen, taucht für alle, die sich für das Wohl der Jugend verantwortlich fühlen, die wichtige Frage auf: Wie beschäftigen wir unsere Jungmannschaft, besonders das tatendurstige Bubenvolk, unterhaltend und nutzbringend? Die jungen Leute sollen lesen! höre ich sagen. Nur lesen? Nein, auch mit Hand und Werkzeug will und soll unsere Jugend tüchtig werden, soll Genauigkeit und Ausdauer üben und dies auf eine Weise, als ob's Spiel wäre. Unmerklich soll ihr die Freude an sauberer Arbeit aufgehen. Sie möchte gerne etwas Schönes entstehen sehen, das noch nach Jahren Zeuge ihres Fleisses, ihrer Ausdauer und Erfindungsgabe sei, darauf hat sie ein Recht.«
  • Über diesen Punkt herrscht heute weiterherum Einigkeit: wie alle »nützlichen« Freizeitbeschäftigungen ist das Modellbogenbasteln nicht nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sondern hat auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Geschult werden, ganz nach Edwin Morfs Ansicht, Ausdauer und Genauigkeit, im Einzelnen das Umsetzen einer komplizierten Anleitung, die Feinmotorik, das räumliche Sehen. Jedes Kind, das ein Modell nach einem Konstruktionsplan ohne böse Fehler nachbauen kann, hat eine beachtliche Leistung vollbracht und hat nachher auch ein greifbares, schönes Resultat in den Händen. Auf dieses darf es stolz sein; es ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das zu weiteren Taten anspornt. Und ganz nebenher erfährt es noch eine Menge Wissenswertes über das Objekt, das es soeben konstruiert hat, über dessen Geschichte, Bedeutung und Funktion.
  • Obwohl sich seit den Gründungsjahren des Verlages die Welt insgesamt und die Welt des Kindes im Besonderen dramatisch verändert hat, erfreut sich der Modellbogen ungebrochener Beliebtheit. Offensichtlich bietet das Basteln eines schönen Kartonmodells etwas, das weder Barbie-Puppen noch Videospiele, weder Elektronik-Baukästen noch Game-Boys bieten können. Die Verkaufsziffern sprechen hier eine deutliche Sprache.
    Der Modellbogen wird nicht aussterben; diese Prognose sei hier gewagt. Trotz Infotainment und dauernder Musikberieselung, trotz der Attraktivität von schnarrendem, piepsendem, umhersausendem Techno-Spielzeug aller Art: wenn's dann irgendwann für einmal still wird im Kinderzimmer, dann kommt er wieder auf den Tisch, der alte, geliebte Modellbogen, und dann herrscht wieder Ruhe, Konzentration, Aufmerksamkeit - und stille Freude über das gelungene Werk.
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