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103 - Schneewittchen

103 - Schneewittchen

  • Bestellnummer: 103
  • Autor: Heinrich Pfenninger
  • Schwierigkeitsgrad: ab 6 J.
  • Selbständige Einzelteile: 24
  • Sprache: d
  • Massstab:

Es war einmal eine stolze Königin. Sie ertrug es nicht, dass jemand schöner sein könnte als sie. Das Mädchen auf dem Bild ist Schneewittchen. Die Königin war seine Stiefmutter. Schneewittchen war sehr hübsch und wurde jeden Tag hübscher. Die Königin besass einen Spiegel. Manchmal stand sie davor und fragte ihn: Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land? Sie lächelte zufrieden, wenn der Spiegel antwortete: Frau Königin, Ihr seid die Schönste im Land! Eines Tages antwortete der Spiegel aber anders: Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr!

Die Königin wurde zornig. Jetzt hasste sie Schneewittchen. Sie fand keine Ruhe mehr. Schliesslich rief sie einen Jäger und schickte ihn mit dem Kind in den Wald hinaus. Dort sollte der Mann Schneewittchen töten. Doch der Jäger hatte Mitleid. Er war deshalb froh, dass ihm draussen im Wald ein kleines Wildschwein begegnete. Er brachte blutiges Tierfleisch heim und liess dafür Schneewittchen laufen.

Schneewittchen rannte weit in den Wald hinein. Endlich fand es ein kleines Häuschen. Es wunderte sich, dass alles so nett aussah. Hier mussten viele Leute wohnen, denn der Tisch war für sieben Personen gedeckt. Sieben Bettchen standen bereit. Müde legte es sich zur Ruhe.

Spät erst kamen die Männlein heim, denen das Waldhaus gehörte. Sieben Zwerge waren es. Sie bestaunten den schlafenden Gast. Am Morgen aber baten sie Schneewittchen, bei ihnen zu bleiben. Es sollte ihnen das Haus besorgen, kochen, betten, nähen, stricken. Das wollte Schneewittchen gerne tun.

Von ihrem Spiegel erfuhr daheim die böse Königin, dass Schneewittchen noch lebte. Sie verkleidete sich. Als alte Krämerin schlich sie ums Zwergenhaus und bot schöne Schnürbänder an. Sie würgte Schneewittchen mit einem Band, bis es bleich wurde. Dann eilte sie fort. Doch bald kamen die Zwerge heim und halfen dem leblosen Kind. Die Königin verkleidete sich ein zweites Mal. Sie kam in einer Jacke wieder und bot diesmal einen giftigen Kamm zum Kaufe an. Kaum gekämmt, sank Schneewittchen nieder. Ein Glück, dass die Zwerge bald wieder da waren und ihm halfen.

Zum drittenmal kam die böse Krämerin. Jetzt trug sie einen langen Mantel. Sie schenkte dem Kind einen roten Apfel. Schneewittchen ass davon, wurde aber gleich weiss wie Schnee. Die Zwerge kamen bald zurück und fanden Schneewittchen tot am Boden liegend. Diesmal konnten sie nicht mehr helfen. Sie bauten einen gläsernen Sarg. Alle waren sehr traurig; sogar die Eule auf dem Dach weinte.

Nach einiger Zeit kam ein Königssohn in den Wald und fand das Zwergenhaus. Er sah auch Schneewittchen im Glassarg. Er bat die Zwerge um das tote Schneewittchen. Wie man es im Sarge forttragen wollte, erwachte Schneewittchen. Nun wurde alles doch noch gut.

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Modellbogen und Werkhefte
  • Natürlich hat Edwin Morf den Modellbogen nicht erfunden. Vorläufer davon gibt es seit Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Rokoko-Zeit hat der Dichterfürst Goethe »allerley artige Lusthäuser ... mit Pilastern, Freitreppen und Dächern« aus Papier ersonnen. Grosse Mode wurde der Modellbogen aber erst im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Erfindung der Lithographie. Damals kamen in deutschen und französischen Verlagen Tausende von Modellen auf den Markt; alles Erdenkliche wurde angeboten, Königspaläste, Tempelruinen, Opernhäuser, funktioniernde (!) Dampfmaschinen und Nähmaschinen, Unterseeboote und Eiffeltürme in allen Grössen. Neben hervorragenden Konstruktionen gab es auch viel eilig hergestellten, billigen und geschmacklosen Schund.
  • Die Modellbogen des von Edwin Morf ins Leben gerufenen nachmaligen Pädagogischen Verlages verstanden sich von Anfang an als Zeichen einer Reformbewegung und eines Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg. Die Modelle sollten qualitativ hochstehend, kindergerecht und lehrreich sein und schweizerischen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Von diesem pädagogischen, ja volkserzieherischen Impetus zeugt ein Rundschreiben Morfs aus Jahre 1933, aus dem folgende Passage zitiert sei:
  • »Wenn die Abende früher hereinbrechen, taucht für alle, die sich für das Wohl der Jugend verantwortlich fühlen, die wichtige Frage auf: Wie beschäftigen wir unsere Jungmannschaft, besonders das tatendurstige Bubenvolk, unterhaltend und nutzbringend? Die jungen Leute sollen lesen! höre ich sagen. Nur lesen? Nein, auch mit Hand und Werkzeug will und soll unsere Jugend tüchtig werden, soll Genauigkeit und Ausdauer üben und dies auf eine Weise, als ob's Spiel wäre. Unmerklich soll ihr die Freude an sauberer Arbeit aufgehen. Sie möchte gerne etwas Schönes entstehen sehen, das noch nach Jahren Zeuge ihres Fleisses, ihrer Ausdauer und Erfindungsgabe sei, darauf hat sie ein Recht.«
  • Über diesen Punkt herrscht heute weiterherum Einigkeit: wie alle »nützlichen« Freizeitbeschäftigungen ist das Modellbogenbasteln nicht nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sondern hat auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Geschult werden, ganz nach Edwin Morfs Ansicht, Ausdauer und Genauigkeit, im Einzelnen das Umsetzen einer komplizierten Anleitung, die Feinmotorik, das räumliche Sehen. Jedes Kind, das ein Modell nach einem Konstruktionsplan ohne böse Fehler nachbauen kann, hat eine beachtliche Leistung vollbracht und hat nachher auch ein greifbares, schönes Resultat in den Händen. Auf dieses darf es stolz sein; es ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das zu weiteren Taten anspornt. Und ganz nebenher erfährt es noch eine Menge Wissenswertes über das Objekt, das es soeben konstruiert hat, über dessen Geschichte, Bedeutung und Funktion.
  • Obwohl sich seit den Gründungsjahren des Verlages die Welt insgesamt und die Welt des Kindes im Besonderen dramatisch verändert hat, erfreut sich der Modellbogen ungebrochener Beliebtheit. Offensichtlich bietet das Basteln eines schönen Kartonmodells etwas, das weder Barbie-Puppen noch Videospiele, weder Elektronik-Baukästen noch Game-Boys bieten können. Die Verkaufsziffern sprechen hier eine deutliche Sprache.
    Der Modellbogen wird nicht aussterben; diese Prognose sei hier gewagt. Trotz Infotainment und dauernder Musikberieselung, trotz der Attraktivität von schnarrendem, piepsendem, umhersausendem Techno-Spielzeug aller Art: wenn's dann irgendwann für einmal still wird im Kinderzimmer, dann kommt er wieder auf den Tisch, der alte, geliebte Modellbogen, und dann herrscht wieder Ruhe, Konzentration, Aufmerksamkeit - und stille Freude über das gelungene Werk.
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