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329 - Piratenschiff

329 - Piratenschiff

  • Bestellnummer: 329
  • Autor: Rainer Hesse
  • Schwierigkeitsgrad: ab 8 J.
  • Selbständige Einzelteile: 6
  • Sprache: d
  • Massstab: 1:50

Was Wegelagerer und Strassenräuber für die Landwege sind, das sind Piraten oder Seeräuber für die Wasserwege. Piraten lauern Schiffen auf, schneiden ihnen den Weg ab, verfolgen sie, verwickeln sie in Seekämpfe und entern sie. Das Ziel ist es, Beute zu machen, also wertvolles Handelsgut zu rauben, aber auch Leute zu fangen, für die man Lösegeld fordern oder die man als Sklaven verkaufen kann. Natürlich braucht es dazu ein schnelles, wendiges Schiff, aber auch solide seemännische Kenntnisse und eine schlagkräftige Mannschaft.

Die Piraterie ist so alt wie die Seefahrt. Heute ist sie dank relativem Weltfrieden, dank Satellitenüberwachung und moderner Fernmeldetechnik auf ein Minimum zurückgedrängt, aber in Kriegs- und Krisenzeiten flackert sie sofort wieder auf. In gewissen Epochen und auf gewissen Weltmeeren war sie einst ein wahre Plage. Nur wenigen Völkern gelang es, diesem Übel eine Zeit lang Herr zu werden, vor allem die alten Römer schafften dies auf dem Mittelmeer dank ihrem überragenden Organisationstalent.

Unser Schiff stammt aus der "klassischen" Zeit der Piraterie, dem 17./18. Jahrhundert. Auf solchen Segelschiffen fuhren legendäre, für ihre Angriffslust und Grausamkeit gefürchtete Piratenkapitäne. Die Bewaffnung solcher Schiffe und ihrer Mannschaften reichte von schwerem Schiffsgeschütz über Musketen und Steinschlosspistolen bis zu Bordäxten, Dolchen und Entermessern.

Das Leben der Piraten war wohl wesentlich weniger romantisch, als man sich das vorstellen mag. Da warteten die Seeleute oft wochenlang auf Handelsschiffe, die sie ausrauben konnten; sie langweilten sich, soffen Schnaps, spielten um Geld, prügelten sich. Manche wurden krank wegen des verdorbenen Wassers und der einseitigen Ernährung. Die Mannschaftsräume unter Deck waren feucht und modrig, überall huschten Ratten umher. Dazu kam die bange Gewissheit, dass es bei jeder neuen Kaperfahrt um Leben und Tod ging. Entweder war man erfolgreich und machte reiche Beute, oder man versagte, dann war der Tod gewiss: man wurde im Kampf erschlagen oder gefangen genommen und später durch Hängen hingerichtet.

Dass heute die Piraterie gerne verklärt gesehen wird, hat wohl mit unserem Wohlstand und unserer grossen Lebenssicherheit zu tun. Wenn man selber kaum was fürchten muss, regt sich das Bedürfnis nach Abenteuer und Gefahr. Dann wird uns der kühne Piratenkapitän mit der schwarzen Augenklappe und dem grossen Schnurrbart irgendwie sympathisch, und das Piratenschiff mit der Totenkopf-Flagge finden wir malerisch und aufregend. Hätten wir allerdings damals, als diese Welt noch brutale Realität war, mit echten Piraten auf offener See zu tun gehabt, wären uns solche Flausen rasch vergangen. Dann hätten wir sehr schnell gemerkt, was Piraten in Tat und Wahrheit sind: Verbrecher, Gewalttäter, Räuber, Mörder.

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Modellbogen und Werkhefte
  • Natürlich hat Edwin Morf den Modellbogen nicht erfunden. Vorläufer davon gibt es seit Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Rokoko-Zeit hat der Dichterfürst Goethe »allerley artige Lusthäuser ... mit Pilastern, Freitreppen und Dächern« aus Papier ersonnen. Grosse Mode wurde der Modellbogen aber erst im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Erfindung der Lithographie. Damals kamen in deutschen und französischen Verlagen Tausende von Modellen auf den Markt; alles Erdenkliche wurde angeboten, Königspaläste, Tempelruinen, Opernhäuser, funktioniernde (!) Dampfmaschinen und Nähmaschinen, Unterseeboote und Eiffeltürme in allen Grössen. Neben hervorragenden Konstruktionen gab es auch viel eilig hergestellten, billigen und geschmacklosen Schund.
  • Die Modellbogen des von Edwin Morf ins Leben gerufenen nachmaligen Pädagogischen Verlages verstanden sich von Anfang an als Zeichen einer Reformbewegung und eines Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg. Die Modelle sollten qualitativ hochstehend, kindergerecht und lehrreich sein und schweizerischen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Von diesem pädagogischen, ja volkserzieherischen Impetus zeugt ein Rundschreiben Morfs aus Jahre 1933, aus dem folgende Passage zitiert sei:
  • »Wenn die Abende früher hereinbrechen, taucht für alle, die sich für das Wohl der Jugend verantwortlich fühlen, die wichtige Frage auf: Wie beschäftigen wir unsere Jungmannschaft, besonders das tatendurstige Bubenvolk, unterhaltend und nutzbringend? Die jungen Leute sollen lesen! höre ich sagen. Nur lesen? Nein, auch mit Hand und Werkzeug will und soll unsere Jugend tüchtig werden, soll Genauigkeit und Ausdauer üben und dies auf eine Weise, als ob's Spiel wäre. Unmerklich soll ihr die Freude an sauberer Arbeit aufgehen. Sie möchte gerne etwas Schönes entstehen sehen, das noch nach Jahren Zeuge ihres Fleisses, ihrer Ausdauer und Erfindungsgabe sei, darauf hat sie ein Recht.«
  • Über diesen Punkt herrscht heute weiterherum Einigkeit: wie alle »nützlichen« Freizeitbeschäftigungen ist das Modellbogenbasteln nicht nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sondern hat auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Geschult werden, ganz nach Edwin Morfs Ansicht, Ausdauer und Genauigkeit, im Einzelnen das Umsetzen einer komplizierten Anleitung, die Feinmotorik, das räumliche Sehen. Jedes Kind, das ein Modell nach einem Konstruktionsplan ohne böse Fehler nachbauen kann, hat eine beachtliche Leistung vollbracht und hat nachher auch ein greifbares, schönes Resultat in den Händen. Auf dieses darf es stolz sein; es ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das zu weiteren Taten anspornt. Und ganz nebenher erfährt es noch eine Menge Wissenswertes über das Objekt, das es soeben konstruiert hat, über dessen Geschichte, Bedeutung und Funktion.
  • Obwohl sich seit den Gründungsjahren des Verlages die Welt insgesamt und die Welt des Kindes im Besonderen dramatisch verändert hat, erfreut sich der Modellbogen ungebrochener Beliebtheit. Offensichtlich bietet das Basteln eines schönen Kartonmodells etwas, das weder Barbie-Puppen noch Videospiele, weder Elektronik-Baukästen noch Game-Boys bieten können. Die Verkaufsziffern sprechen hier eine deutliche Sprache.
    Der Modellbogen wird nicht aussterben; diese Prognose sei hier gewagt. Trotz Infotainment und dauernder Musikberieselung, trotz der Attraktivität von schnarrendem, piepsendem, umhersausendem Techno-Spielzeug aller Art: wenn's dann irgendwann für einmal still wird im Kinderzimmer, dann kommt er wieder auf den Tisch, der alte, geliebte Modellbogen, und dann herrscht wieder Ruhe, Konzentration, Aufmerksamkeit - und stille Freude über das gelungene Werk.
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