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307 - Autofähre

307 - Autofähre

  • Bestellnummer: 307
  • Autor: Hansruedi Obi
  • Schwierigkeitsgrad: ab 9 J.
  • Selbständige Einzelteile: 1
  • Sprache: d+f
  • Massstab: ca. 1:100

Seit jeher hinderten Bäche, Flüsse und Seen den Menschen in seinen Bewegungen. Gewässer waren und sind heute noch ein Hindernis auf seinen Reisen. Erst suchte er sich seichte, untiefe Stellen in den Flüssen, die er watend durchqueren konnte. Eine solche Stelle nennt man eine Furt. Daher die Orte Frankfurt, Erfurt usw.

An andern günstigen Plätzen wurden Brücken gebaut. An beiden Enden der Brücke siedelten sich vermehrt Menschen an: es entstanden Dörfer und Städte wie Brugg, Brügg, Biberbrugg, Langenbruck, aber auch Basel, Baden, Schaffhausen, Zürich und viele andere.

Grosse Schwierigkeiten für den Handels- und Reiseverkehr bildeten unsere langgestreckten Seen. Früher wie heute bedingte das Umwege von Stunden oder sogar von Tagereisen. An wichtigen Strassen und nicht allzu breiten Seen richtete man deshalb Fähren ein. Das sind Schiffe, die immer nur hin- und herfahren und so eine Art fahrbare Brücke bilden. Mit dem zunehmenden Autoverkehr stieg auch das Bedürfnis nach Autofähren. In der Schweiz gibt es mehrere davon: über den Vierwaldstättersee von Beckenried nach Gersau, über den Zürichsee von Horgen nach Meilen und über den Bodensee von Romanshorn nach Friedrichshafen.

Das Modell eines solchen Fährschiffes liegt vor dir. Es stellt die Zürichsee-Fähre «Schwan» dar, wie sie im Jahr der Inbetriebsetzung aussah. Zusammen mit den Schwesterschiffen «Horgen» und «Meilen» besorgt der «Schwan» alle 10 bis 15 Minuten den Personen- und Autotransport zwischen Horgen und Meilen.

Diese 1969 erbaute Fähre ist ein elegantes und praktisches Schiff. Geschickt steuert es der Kapitän an die Hafenmauer, und sofort können die Fahrzeuge - sogar Lastwagen - aufs Land, auf die Strasse oder von dort auf das Schiff fahren. Pro Fahrt haben 36 Autos Platz und dazu noch ungefähr 300 Personen. Je ein Motor von 350 PS für jede Fahrtrichtung treibt das Schiff mit einer Geschwindigkeit von ca. 21 km/h in 10 Minuten über den See.

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Modellbogen und Werkhefte
  • Natürlich hat Edwin Morf den Modellbogen nicht erfunden. Vorläufer davon gibt es seit Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Rokoko-Zeit hat der Dichterfürst Goethe »allerley artige Lusthäuser ... mit Pilastern, Freitreppen und Dächern« aus Papier ersonnen. Grosse Mode wurde der Modellbogen aber erst im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Erfindung der Lithographie. Damals kamen in deutschen und französischen Verlagen Tausende von Modellen auf den Markt; alles Erdenkliche wurde angeboten, Königspaläste, Tempelruinen, Opernhäuser, funktioniernde (!) Dampfmaschinen und Nähmaschinen, Unterseeboote und Eiffeltürme in allen Grössen. Neben hervorragenden Konstruktionen gab es auch viel eilig hergestellten, billigen und geschmacklosen Schund.
  • Die Modellbogen des von Edwin Morf ins Leben gerufenen nachmaligen Pädagogischen Verlages verstanden sich von Anfang an als Zeichen einer Reformbewegung und eines Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg. Die Modelle sollten qualitativ hochstehend, kindergerecht und lehrreich sein und schweizerischen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Von diesem pädagogischen, ja volkserzieherischen Impetus zeugt ein Rundschreiben Morfs aus Jahre 1933, aus dem folgende Passage zitiert sei:
  • »Wenn die Abende früher hereinbrechen, taucht für alle, die sich für das Wohl der Jugend verantwortlich fühlen, die wichtige Frage auf: Wie beschäftigen wir unsere Jungmannschaft, besonders das tatendurstige Bubenvolk, unterhaltend und nutzbringend? Die jungen Leute sollen lesen! höre ich sagen. Nur lesen? Nein, auch mit Hand und Werkzeug will und soll unsere Jugend tüchtig werden, soll Genauigkeit und Ausdauer üben und dies auf eine Weise, als ob's Spiel wäre. Unmerklich soll ihr die Freude an sauberer Arbeit aufgehen. Sie möchte gerne etwas Schönes entstehen sehen, das noch nach Jahren Zeuge ihres Fleisses, ihrer Ausdauer und Erfindungsgabe sei, darauf hat sie ein Recht.«
  • Über diesen Punkt herrscht heute weiterherum Einigkeit: wie alle »nützlichen« Freizeitbeschäftigungen ist das Modellbogenbasteln nicht nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sondern hat auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Geschult werden, ganz nach Edwin Morfs Ansicht, Ausdauer und Genauigkeit, im Einzelnen das Umsetzen einer komplizierten Anleitung, die Feinmotorik, das räumliche Sehen. Jedes Kind, das ein Modell nach einem Konstruktionsplan ohne böse Fehler nachbauen kann, hat eine beachtliche Leistung vollbracht und hat nachher auch ein greifbares, schönes Resultat in den Händen. Auf dieses darf es stolz sein; es ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das zu weiteren Taten anspornt. Und ganz nebenher erfährt es noch eine Menge Wissenswertes über das Objekt, das es soeben konstruiert hat, über dessen Geschichte, Bedeutung und Funktion.
  • Obwohl sich seit den Gründungsjahren des Verlages die Welt insgesamt und die Welt des Kindes im Besonderen dramatisch verändert hat, erfreut sich der Modellbogen ungebrochener Beliebtheit. Offensichtlich bietet das Basteln eines schönen Kartonmodells etwas, das weder Barbie-Puppen noch Videospiele, weder Elektronik-Baukästen noch Game-Boys bieten können. Die Verkaufsziffern sprechen hier eine deutliche Sprache.
    Der Modellbogen wird nicht aussterben; diese Prognose sei hier gewagt. Trotz Infotainment und dauernder Musikberieselung, trotz der Attraktivität von schnarrendem, piepsendem, umhersausendem Techno-Spielzeug aller Art: wenn's dann irgendwann für einmal still wird im Kinderzimmer, dann kommt er wieder auf den Tisch, der alte, geliebte Modellbogen, und dann herrscht wieder Ruhe, Konzentration, Aufmerksamkeit - und stille Freude über das gelungene Werk.
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