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301 - Rheinschiff «Vicosoprano»

301 - Rheinschiff «Vicosoprano»

  • Bestellnummer: 301
  • Autor: Heinrich Pfenninger
  • Selbständige Einzelteile: 1
  • Massstab: ca. 1:175
  • Schwierigkeitsgrad: ab 9 J.
 
 
 
 
Im Basler Rheinhafen (genauer: in den Rheinhäfen beider Basel) herrscht fast immer Betrieb. Viele Schiffe sind hier zu sehen. Hier liegt eines, das von Antwerpen (in Belgien) heraufgekommen ist. Dort ist ein anderes, das seine Güter aus dem Ruhrgebiet herbeigeschleppt hat. 1990 sind mehr als 8,5 Millionen Tonnen Waren auf dem Wasserweg in Basel eingetroffen: Benzin und Öl, Eisen und Stahl, Getreide, Kohle, Baustoffe, Zellstoffe, Fette usw. Mächtige Krane heben schwere Güter aus den Schiffsschalen; durch dicke Leitungen werden Öle und Benzin in riesige Tankkessel an Land gepumpt. 
 
Unser Land benötigt die vielen Importwaren dringend. Der Schweizer Boden allein könnte kaum die Hälfte unserer Bevölkerung ernähren. Darum müssen wir nochmals so viele Lebensmittel zusätzlich einführen, wie wir selber erzeugen. Zudem brauchen unsere Fabriken vielerlei Rohstoffe, die in der Schweiz nicht vorkommen. Auch diese Rohstoffe müssen, genauso wie alle Erdölprodukte, vom Ausland in die Schweiz eingeführt werden. Viele dieser Waren gelangen in Schiffen den Rhein hinauf in unser Land. Der Anteil der Basler Rheinhäfen an der Einfuhr ist bedeutend: von je 100 Tonnen Importwaren sind jeweils etwa 17 durch das Basler Wassertor zu uns gebracht worden. In der umgekehrten Richtung werden bedeutend weniger Güter befördert. Im Jahre 1990 verliessen «nur» 850'000 Tonnen Güter die Schweiz auf einem Rheinschiff. Viele dieser sicheren Transportschiffe fuhren also leider leer den Rhein hinunter. 
 
Das Schiff auf unserem Modellbogen, die «Vicosoprano», stand von 1940 bis 1975 bei der Schweizerischen Reederei AG (heute: Schweizerische Reederei und Neptun AG) im Einsatz. Vier Personen arbeiteten auf der «Vicosoprano», nämlich ein Schiffsführer, zwei Matrosen und ein Schiffsjunge. Für die 830 km lange Fahrt von Rotterdam (Holland) den Rhein hinauf nach Basel brauchte unser Schiff etwas mehr als eine Woche. In der umgekehrten Richtung dauerte die Fahrt nur etwa vier Tage, weil das Schiff ja «mit dem Wasser» schwamm. Auf ihrer Fahrt konnte die «Vicosoprano» etwa 1300 Tonnen Waren transportieren. Müsste man diese Menge mit der Bahn transportieren, wäre dazu ein Zug mit etwa 50 2-Achs-Wagen nötig.
 
In unserer modernen Zeit lässt sich ein Schiff wie die «Vicosoprano» kaum mehr rentabel einsetzen, da es zu klein und zu langsam ist. Heute werden wenn möglich grössere Schiffe eingesetzt, die mit demselben Personalbestand rund um die Uhr betrieben werden. Diese modernen Schiffe sind meist auch schneller als die älteren Modelle. Moderne Containerschiffe zum Beispiel benötigen heute flussaufwärts noch 85 Stunden. Gefahren wird rund um die Uhr nach Fahrplan. Mit Hilfe von Radar, Echolot, Videokameras und Autopilot kann auch bei sehr schlechter Sicht gefahren werden.
 
Etwa hundert Schweizer sind zurzeit als Schiffsführer, Steuerleute, Matrosen oder Schiffsjungen bei der Rheinschiffahrt tätig. Wer die dreijährige Lehre als Rheinschiffer antreten möchte, muss 15- bis 18jährig sein. Viereinhalb Monate der Lehrzeit werden auf einem besonderen Schulschiff der Schweizerischen Schiffahrtsschule in Basel verbracht.
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Modellbogen und Werkhefte
  • Natürlich hat Edwin Morf den Modellbogen nicht erfunden. Vorläufer davon gibt es seit Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Rokoko-Zeit hat der Dichterfürst Goethe »allerley artige Lusthäuser ... mit Pilastern, Freitreppen und Dächern« aus Papier ersonnen. Grosse Mode wurde der Modellbogen aber erst im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Erfindung der Lithographie. Damals kamen in deutschen und französischen Verlagen Tausende von Modellen auf den Markt; alles Erdenkliche wurde angeboten, Königspaläste, Tempelruinen, Opernhäuser, funktioniernde (!) Dampfmaschinen und Nähmaschinen, Unterseeboote und Eiffeltürme in allen Grössen. Neben hervorragenden Konstruktionen gab es auch viel eilig hergestellten, billigen und geschmacklosen Schund.
  • Die Modellbogen des von Edwin Morf ins Leben gerufenen nachmaligen Pädagogischen Verlages verstanden sich von Anfang an als Zeichen einer Reformbewegung und eines Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg. Die Modelle sollten qualitativ hochstehend, kindergerecht und lehrreich sein und schweizerischen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Von diesem pädagogischen, ja volkserzieherischen Impetus zeugt ein Rundschreiben Morfs aus Jahre 1933, aus dem folgende Passage zitiert sei:
  • »Wenn die Abende früher hereinbrechen, taucht für alle, die sich für das Wohl der Jugend verantwortlich fühlen, die wichtige Frage auf: Wie beschäftigen wir unsere Jungmannschaft, besonders das tatendurstige Bubenvolk, unterhaltend und nutzbringend? Die jungen Leute sollen lesen! höre ich sagen. Nur lesen? Nein, auch mit Hand und Werkzeug will und soll unsere Jugend tüchtig werden, soll Genauigkeit und Ausdauer üben und dies auf eine Weise, als ob's Spiel wäre. Unmerklich soll ihr die Freude an sauberer Arbeit aufgehen. Sie möchte gerne etwas Schönes entstehen sehen, das noch nach Jahren Zeuge ihres Fleisses, ihrer Ausdauer und Erfindungsgabe sei, darauf hat sie ein Recht.«
  • Über diesen Punkt herrscht heute weiterherum Einigkeit: wie alle »nützlichen« Freizeitbeschäftigungen ist das Modellbogenbasteln nicht nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sondern hat auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Geschult werden, ganz nach Edwin Morfs Ansicht, Ausdauer und Genauigkeit, im Einzelnen das Umsetzen einer komplizierten Anleitung, die Feinmotorik, das räumliche Sehen. Jedes Kind, das ein Modell nach einem Konstruktionsplan ohne böse Fehler nachbauen kann, hat eine beachtliche Leistung vollbracht und hat nachher auch ein greifbares, schönes Resultat in den Händen. Auf dieses darf es stolz sein; es ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das zu weiteren Taten anspornt. Und ganz nebenher erfährt es noch eine Menge Wissenswertes über das Objekt, das es soeben konstruiert hat, über dessen Geschichte, Bedeutung und Funktion.
  • Obwohl sich seit den Gründungsjahren des Verlages die Welt insgesamt und die Welt des Kindes im Besonderen dramatisch verändert hat, erfreut sich der Modellbogen ungebrochener Beliebtheit. Offensichtlich bietet das Basteln eines schönen Kartonmodells etwas, das weder Barbie-Puppen noch Videospiele, weder Elektronik-Baukästen noch Game-Boys bieten können. Die Verkaufsziffern sprechen hier eine deutliche Sprache.
    Der Modellbogen wird nicht aussterben; diese Prognose sei hier gewagt. Trotz Infotainment und dauernder Musikberieselung, trotz der Attraktivität von schnarrendem, piepsendem, umhersausendem Techno-Spielzeug aller Art: wenn's dann irgendwann für einmal still wird im Kinderzimmer, dann kommt er wieder auf den Tisch, der alte, geliebte Modellbogen, und dann herrscht wieder Ruhe, Konzentration, Aufmerksamkeit - und stille Freude über das gelungene Werk.
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