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314 - Blériot XI (1913)

314 - Blériot XI (1913)

  • Bestellnummer: 314
  • Autoren: div.
  • Schwierigkeitsgrad: ab 10 J.
  • Selbständige Einzelteile: 1
  • Sprache: d, f
  • Massstab: ca. 1:33

Die ersten richtigen Flüge mit einem Motorflugzeug auf Schweizer Territorium sind zwar nicht von einem einheimischen Piloten ausgeführt worden, sondern vom deutschen Hauptmann Paul Engelhardt, der am 10. Februar 1910 mit seinem Wright-Doppeldecker im Oberengadin herumkurvte. Aber bereits im gleichen Jahr überflog der Genfer Armand Dufaux den Genfersee der Länge nach.

Ein Jahr zuvor hatte der Konstrukteur Louis Blériot, der Begründer der französischen Flugzeugindustrie, mit einer seiner Maschinen als erster Pilot den Ärmelkanal überflogen und bei der grossen Luftfahrtschau in Reims den sensationellen Geschwindigkeitsrekord von 97 km/h aufgestellt. Darauf musste er allerdings mit brennender Maschine notlanden.

Ja, es war die grosse Zeit der Flugpioniere und der ersten Flugbegeisterung beim Publikum, das in immer grösserer Zahl bei den Schau- und Wettfliegen zusammenströmte, um «diesen tollkühnen Männern in ihren fliegenden Kisten» zuzujubeln. Frankreich war damals führende Flugnation Europas, und die Blériot-Maschinen galten als besonders zuverlässig und technisch ausgereift. Unser Blériot-Modell, das im Verkehrshaus Luzern zu besichtigen ist, war auch eines der allerersten Flugzeuge, das in einer grösseren Serie hergestellt wurde.

Wie zuverlässig und technisch ausgereift dieser Eindecker war, bewies unter anderen der berühmte Schweizer Flugpionier Oskar Bider, der mit ihm viele Flüge ausführte, darunter im Jahre 1913 die erste Überquerung der Pyrenäen und im gleichen Jahre die erste Überquerung der Zentralalpen (Bern - Mailand).

Das war schon eine tolle Maschine, die Derartiges leisten konnte, und als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach und in aller Eile eine schweizerische «Flugwaffe» auf die Beine gestellt werden musste, weil noch keine vorhanden war, kaufte man die Blériot Xl als eines der ersten Flugzeuge dessen privatem Eigentümer Oskar Bider ab. Eine ganze Anzahl anderer Flugapparate wurde ebenfalls diversen Piloten abgehandelt; weitere Modelle ausländischer Hersteller, die damals bei der Landesausstellung 1914 in Bern zu besichtigen waren, wurden kurzerhand beschlagnahmt.

Unsere Bleriot Xl bewährte sich offenbar so gut, dass sie - ein Flugapparat aus der «Steinzeit» der Aviatik! - im Zweiten Weltkrieg, nachdem sie 20 Jahre lang stillgelegt war, nochmals flugtüchtig gemacht wurde.

Technische Daten:

Bauart:

Schulterdecker, Holzbauweise, stoffbespannt

Abmessungen:

Spannweite 11,0 m, Länge 8,4 m, Höhe 2,87 m

Gewichte:

Unbeladen 320 kg, Zuladung 210 kg

Triebwerk:

Modell Gnôme 80 «Lambda»; luftgekühlter 7-Zylinder-Rotationsmotor, Nennleistung 80 PS bei 1200 U/min

Propeller:

2-Blatt, Schichtholz, Durchmesser 2,4 m

Geschwindigkeit:

max. horizontal 105 km/h

Steigleistung:

max. 1,4 m/s

Dienstgipfelhöhe:

3500 m ü. M.

Flugdauer:

2 h 45 min

Reichweite:

250 km

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Modellbogen und Werkhefte
  • Natürlich hat Edwin Morf den Modellbogen nicht erfunden. Vorläufer davon gibt es seit Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Rokoko-Zeit hat der Dichterfürst Goethe »allerley artige Lusthäuser ... mit Pilastern, Freitreppen und Dächern« aus Papier ersonnen. Grosse Mode wurde der Modellbogen aber erst im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Erfindung der Lithographie. Damals kamen in deutschen und französischen Verlagen Tausende von Modellen auf den Markt; alles Erdenkliche wurde angeboten, Königspaläste, Tempelruinen, Opernhäuser, funktioniernde (!) Dampfmaschinen und Nähmaschinen, Unterseeboote und Eiffeltürme in allen Grössen. Neben hervorragenden Konstruktionen gab es auch viel eilig hergestellten, billigen und geschmacklosen Schund.
  • Die Modellbogen des von Edwin Morf ins Leben gerufenen nachmaligen Pädagogischen Verlages verstanden sich von Anfang an als Zeichen einer Reformbewegung und eines Neubeginns nach dem Ersten Weltkrieg. Die Modelle sollten qualitativ hochstehend, kindergerecht und lehrreich sein und schweizerischen Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Von diesem pädagogischen, ja volkserzieherischen Impetus zeugt ein Rundschreiben Morfs aus Jahre 1933, aus dem folgende Passage zitiert sei:
  • »Wenn die Abende früher hereinbrechen, taucht für alle, die sich für das Wohl der Jugend verantwortlich fühlen, die wichtige Frage auf: Wie beschäftigen wir unsere Jungmannschaft, besonders das tatendurstige Bubenvolk, unterhaltend und nutzbringend? Die jungen Leute sollen lesen! höre ich sagen. Nur lesen? Nein, auch mit Hand und Werkzeug will und soll unsere Jugend tüchtig werden, soll Genauigkeit und Ausdauer üben und dies auf eine Weise, als ob's Spiel wäre. Unmerklich soll ihr die Freude an sauberer Arbeit aufgehen. Sie möchte gerne etwas Schönes entstehen sehen, das noch nach Jahren Zeuge ihres Fleisses, ihrer Ausdauer und Erfindungsgabe sei, darauf hat sie ein Recht.«
  • Über diesen Punkt herrscht heute weiterherum Einigkeit: wie alle »nützlichen« Freizeitbeschäftigungen ist das Modellbogenbasteln nicht nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, sondern hat auch einen nachhaltigen Lerneffekt. Geschult werden, ganz nach Edwin Morfs Ansicht, Ausdauer und Genauigkeit, im Einzelnen das Umsetzen einer komplizierten Anleitung, die Feinmotorik, das räumliche Sehen. Jedes Kind, das ein Modell nach einem Konstruktionsplan ohne böse Fehler nachbauen kann, hat eine beachtliche Leistung vollbracht und hat nachher auch ein greifbares, schönes Resultat in den Händen. Auf dieses darf es stolz sein; es ist ein sichtbares Erfolgserlebnis, das zu weiteren Taten anspornt. Und ganz nebenher erfährt es noch eine Menge Wissenswertes über das Objekt, das es soeben konstruiert hat, über dessen Geschichte, Bedeutung und Funktion.
  • Obwohl sich seit den Gründungsjahren des Verlages die Welt insgesamt und die Welt des Kindes im Besonderen dramatisch verändert hat, erfreut sich der Modellbogen ungebrochener Beliebtheit. Offensichtlich bietet das Basteln eines schönen Kartonmodells etwas, das weder Barbie-Puppen noch Videospiele, weder Elektronik-Baukästen noch Game-Boys bieten können. Die Verkaufsziffern sprechen hier eine deutliche Sprache.
    Der Modellbogen wird nicht aussterben; diese Prognose sei hier gewagt. Trotz Infotainment und dauernder Musikberieselung, trotz der Attraktivität von schnarrendem, piepsendem, umhersausendem Techno-Spielzeug aller Art: wenn's dann irgendwann für einmal still wird im Kinderzimmer, dann kommt er wieder auf den Tisch, der alte, geliebte Modellbogen, und dann herrscht wieder Ruhe, Konzentration, Aufmerksamkeit - und stille Freude über das gelungene Werk.
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